Rebellion und Germanisierungspolitik – der Einfluss der französischen Revolution

(17. bis 18. Jahrhundert)

Der Aufstand der Dörfer in der Lausitz und in Cottbuser Kreis
1635 gingen die beiden Lausitzen Gemäß den Bestimmungen des Prager Friedens von Böhmen an die sächsischen Wettiner über, die Mark Brandenburg blieb unter der Herrschaft der Hohenzollern. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kam es zu einer verstärkten Entwicklung der Gutswirtschaft und der Leibeigenschaft. Trotz der Verheerungen und der Einbußen des Dreißigjährigen Krieges wurde die geschwächte Landbevölkerung in den Lausitzen 1651 per Untertanenordnung und im Cottbuser Kreis 1653 per Verordnung des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. zu „vollen landesüblichen Diensten“, also zu unbegrenzten Frondiensten, verpflichtet. In den Lausitzen nahmen daher etwa dreihundert Dörfer an Aufständen teil. Eingaben und Klagen bei den Landesherren waren ebenso an der Tagesordnung wie die Verweigerungen der Frondienste. Im Gebiet um Cottbus bildeten 55 sorbische Dörfer unter Anführung ihrer Dorfschulzen ein 5000 Mann starkes Heer und forderten Freiheit von allen Diensten und Abgaben. Friedrich Wilhelm I. schlug den Aufstand mit Hilfe von Militäreinheiten nieder und begann mit einer strikten Germanisierungspolitik. Im Kreis Cottbus schwelten aber weiterhin die Unruhen, 1715 wurden einige Bauernführer gefangen genommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis 150 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es an allen Ecken der sorbischen Gebiete immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Soldaten und Bauern, da die Landbevölkerung in Folge härtester Ausbeutung im größten Elend leben musste.

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als Forderung der Sorben
Die Parole liberté, égalité, fraternité als Wahlspruch der Französischen Revolution, die mit der Erhebung der Stadtbevölkerung gegen die Herrschafts- und Verwaltungsorgane und mit der Revolte der Bauern gegen das ländliche Feudalregime begann, fand auch in Teilen Deutschlands Anklang. Revolten von, mit Mistgabeln und Dreschflegeln bewaffneten, Bauern in den Gebieten der Lausitzen mussten mit militärischer Gewalt niedergeschlagen werden. Die Anordnung des sächsischen Kurfürsten im Jahre 1794, auch an Feiertagen Frondienste zu leisten, zog eine Vielzahl größerer Unruhen nach sich, durch die sich die sorbischen Bauern letztendlich einen fronfreien Tag erzwangen.