(1933 – 1945)

Mit offener Gewalt gegen die „wendische Gefahr“
Schon bei ihrer Machtübernahme im Jahr 1933 warnten die Nationalsozialisten vor der drohenden „wendischen Gefahr“. Eine von den Sorben angeblich angestrebte Reslawisierung der deutschen Gebiete durch ein Bündnis mit den slawischen Nachbarn Polen und Tschechoslowakei wurde als massive Bedrohung für das deutsche Volk dargestellt, die das brutale Vorgehen gegen alles Sorbische rechtfertigen sollte. Sorbische Zeitungen wurden eingestellt, der Wendische Volksrat wurde aufgelöst, der Lausitzer Bauernbund wurde verboten und sorbische Persönlichkeiten wurden verhaftet oder ausgesiedelt. Das sorbische Kulturleben wurde so fast vollständig zum Erliegen gebracht.

Mit versteckten Mitteln gegen das sorbische Volk
Nur massive Proteste aus dem Ausland brachten die Nationalsozialisten dazu, in der zweiten Hälfte des Jahres 1933 ihre Taktik gegen das sorbische Volk zu ändern. Statt zu offenem Terror griff die Regierung zu gewaltfreien, subtileren Mitteln, um eine „Eindeutschung“ der sorbischen Gebiete zu erreichen. Die Wenden wurden als „deutscher Volksstamm“ bezeichnet, die sorbische Fahne und die sorbische Hymne wurden verboten, sorbische Veröffentlichungen untersagt und sorbische Ortsnamen durch deutsche Bezeichnungen ersetzt. Nichts in Deutschland sollte auf die Existenz einer eigenständigen sorbischen Kultur hindeuten, das sorbische Volk sollte für die Idee eines „rein deutschen Reiches“ gewonnen werden. Die Gleichschaltungspolitik scheiterte allerdings an der, durch die Domowina gestärkte, sorbischen Kulturarbeit, die das Bewusstsein der Sorben für ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Traditionen festigte.

Mit zunehmenden Terror gegen das Wendentum
Nachdem es den Machthabern nicht gelungen war, die Sorben für die nationalsozialistische Idee zu begeistern und ihre nationale Identität zu unterdrücken, wurde eine Terrorwelle mit dem Ziel der Ausrottung des sorbischen Volkes eingeleitet. Auf ausländische Proteste wurde vom nationalsozialistischen Regime keine Rücksicht mehr genommen, drastische Maßnahmen sollten „eine weitere Zunahme des Wendentums verhindern.“ Die Domowina wurde 1937 verboten, alle sorbischen Vereine wurden untersagt, der Gebrauch der sorbischen Sprache wurde bestraft und auf die Verhaftungen führender Männer der nationalen sorbischen Bewegung folgten Zwangsaussiedlungen. 1940 wurde von den Nationalsozialisten die komplette Evakuierung aller sorbischen Gebiete vorbereitet, die nur durch die Wende im zweiten Weltkrieg nach der Schlacht von Stalingrad verhindert wurde. Bis zum Kriegsende leistete das sorbische Volk immer wieder offenen und subversiven Widerstand gegen das nationalsozialistische System.