Der Kampf um die sorbische Sprache und Kultur – entgegen aller Sprachverbote

(15. bis 18. Jahrhundert)

Vom Bautzener Bürgereid zur sorbischen Schriftsprache
Die Unterdrückung und der Wunsch nach Ausrottung der sorbischen Sprache nahmen schon früh ihren Anfang, waren jedoch immer gebietsabhängig. Während im Anhalt und um Zwickau die sorbische Sprache schon im 13. Jahrhundert unter Androhung der Todesstrafe verboten wurde, findet sich, als ältestes sorbisches Schriftdenkmal, die Eintragung eines sorbischen Bürgereids auf die sorbische Muttersprache in den Bautzener Stadtbüchern aus dem 15.Jahrhundert. In den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts begann die reformatorische Bewegung in die Lausitzen und damit ins sorbische Siedlungsgebiet vorzudringen. Obwohl das reformatorische Schrifttum ausschließlich in der deutschen Sprache verfasst wurde - Sorbisch existierte bis dahin nicht als Schriftsprache - sorgten Vertreter der Lausitzer Stände dafür, dass Geistliche ausgebildet wurden, die in sorbischer Sprache predigen konnten. So gelang die Reformation in der Niederlausitz und in der Oberlausitz, wo Mitte des 16. Jahrhunderts, trotz der Zugehörigkeit zum katholischen Böhmen, mehr als drei Viertel der Sorben evangelisch waren. Diese Geistlichen predigten nicht nur, sondern schufen die sorbische Schriftsprache und gelten als Begründer der sorbischen Literatur. 1548 wurde das Neue Testament in die sorbische Sprache übersetzt, 1574 wurde das erste sorbische Buch gedruckt.

Rigorose Politik gegen die sorbische Sprache
Mitte des 17. Jahrhunderts lebten in der Mark Brandenburg, die von den hohenzollerschen Markgrafen zusammen mit Preußen regiert wurde, noch etwa zwanzig Prozent der Sorben. Die Mehrheit der sorbischen Bevölkerung gehörte zum Gebiet der Wettiner Herrscher in Sachsen. Auf Befehl des brandenburgischen Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. sollte 1667 das gesamte sorbische Schrifttum sofort vernichtet und die Durchführung sorbischer Gottesdienste verboten werden. Ein Jahr später begann auch die sächsische Obrigkeit mit einer rigorosen Politik gegen die sorbische Sprache. Einzig im Cottbuser Kreis wurde durch außenpolitische Erwägungen und zur Verhinderung von inneren Konflikten die sorbische Kultur vorerst gefördert. Unter Friedrich Wilhelm I. kam es 1717 und 1735 auch dort zu mehreren Verordnungen gegen das Sorbische, der harte Kampf der Sorben um ihre Sprache nahm seine Fortsetzung. Der erste bedeutende sorbische Dichter, Jurij Mjen, musste 1757 für das Lob seiner Muttersprache eine Gefängnisstrafe verbüßen. Die religiöse und die weltliche sorbische Literatur im 17. und 18. Jahrhundert trug aber nicht nur zur Erhaltung der sorbischen Sprache bei, sondern verbreitete auch fortschrittliche Inhalte über wissenschaftliche und soziologische Erkenntnisse. Obwohl das Erscheinen der ersten gedruckten sorbischen Zeitung 1790 sofort wieder verboten wurde, konnte die systematische Germanisierungspolitik im 17. und 18. Jahrhundert keinen umfassenden Erfolg verzeichnen. Alle noch so radikalen, sich immer wiederholende Maßnahmen zur Unterdrückung und Abschaffung der sorbischen Sprache und zur Verleugnung jeglicher nationaler Eigenheit der Sorben scheiterten am gleich bleibenden Widerstand des sorbischen Volkes.