Weimarer Republik – Separatismus-Bestrebungen und Gründung der Wendischen Volkspartei

(1918-1933)

Die Forderung nach einer selbständigen sorbischen Verwaltung
Nach Beendigung des ersten Weltkrieges wurde in der Weimarer Verfassung festgelegt, die „fremdsprachigen Volksteile des Reiches“ weder durch die Gesetzgebung noch durch die Verwaltung in ihrer volkstümlichen Entwicklung und im Gebrauch ihrer Muttersprache zu hindern. Im Jahr 1918 wurde der Wendische Nationalausschuss gegründet, dessen Verhandlungen mit der sächsischen Regierung über zahlreiche Maßnahmen zur Verwirklichung sorbischer Rechte und sorbischer Autonomiebestrebungen aber scheiterten. Die Folge war die Forderung nach einem selbstständigen sorbischen Staat oder, alternativ, der Anschluss der Lausitzen an die Tschechoslowakei. Auch diese Separatismusbestrebungen waren nicht von Erfolg gekrönt, sondern führten nur zu einer Verschärfung des Vorgehens gegen die Anhänger nationaler sorbischer Bewegungen.

Die Bewegung sachsentreuer Wenden und die Wendische Volkspartei
Im Jahre 1920 gründete Jan Skala die Wendische Volkspartei, die allerdings keine Mandate erringen konnte. Im Gegenzug entstand in diesem Jahr auch die „Bewegung sachsentreuer Wenden“ und es kam zur Gründung der zentralen „Wendenabteilung“ der Republik, in deren Zuständigkeit die Überwachung der Sorben fiel. Sorbische Nationalbestrebungen galten als hoch verräterisch und reichsfeindlich, 1921 wurde auch das Wendische Seminar in Prag aufgelöst, um eine zu enge Verbindung mit dem slawischen Nachbarn zu verhindern. Ungeachtet der restriktiven Maßnahmen nahm die Domowina 1920 ihre Tätigkeit wieder auf und stärkte die sorbische Volkskultur durch die Organisation der, ab 1921 jährlich stattfindenden, Verbandstreffen mit Tausenden von Mitgliedern. Durch dieses Zusammengehörigkeitsgefühl erlebte die sorbische Nationalbewegung einen raschen Aufschwung und durch die verfassungsmäßig verankerten Zusicherungen konnte das sorbische Volk nicht nur seine kulturellen Eigenheiten bewahren. Auch die sorbische Sprache erlangte in der Lausitz eine solide Basis, obwohl die Sorben im Laufe der Zeit mehr und mehr zum zweisprachigen Volk wurden.